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  • Andreas Schnabel

Die Kunst der Koalition - Herausforderung Teamwork

Updated: Jul 19

Solange die Schimpansenmänner von Arnheim eine intakte Hierarchie besaßen, war Gewalt praktisch unbekannt. Sie hielten sorgsam ihre Sozialstruktur mittels Statusbestätigung, Beruhigungsgesten und Groomen aufrecht. Sogar gelegentliche Rangumkehrungen wurden ohne lebensbedrohliche Kämpfe gemeistert.

Frans de Waal: "Wilde Diplomaten", Bild S. 63


In einer dramatischen Beschreibung schildert Frans de Waal einem Kampf um die Alphaposition, bei dem zwei jüngere Männchen (Yeroen und Nikkie, siehe Bild) das herrschenden Alphatier besiegten und in Koalition die Rangspitze erreichten.

"Die Koalition zwischen Yeroen und Nikkie beherrschte mehr als drei Jahre die Arnheim-Kolonie. Der jüngere und stärkere Nikkie war der eigentliche Kopf, er war jedoch völlig abhängig von Yeroen."

Die Koalition war allerdings nie wirklich stabil. Kämpfe, Spannungen, Verletzungen, Statusrituale und Statusbestätigungen, Versöhnungen, Annäherungen etc. zeigen eindrucksvoll den Aufwand, der für die Pflege des Beziehungsgefüges notwendig ist.


Menschen, Koalitionen und gemeinsames Handeln


Angesichts der Primatenbeobachtungen stellt sich die Frage, wie es überhaupt möglich ist in Teams, Abteilungen und Unternehmen gemeinsam zu handeln, einen konstruktiven Umgang mit Rivalitäten und Rangeleien zu finden und eine stabile Struktur zu finden.


So kann eine Rangaggression im Team, die nicht durch die gegenseitige Versöhnung beendet wurde, ein jahrelanges Leistungsdefizit der gesamten Belegschaft nach sich ziehen. Koalitionen "Wer hält zu wem?", stockende Informationsweitergabe und dauernde Sticheleien belasten nicht nur die Stimmung im Team, sondern führen auch zur inneren oder echten Kündigung von gutwilligen Mitarbeitern. Die Ergebnisse im Team werden immer schlechter, trotz vorhandener Kompetenz. Fehler, "Missverständnisse", schlechte Abstimmung, mangelnde gegenseitige Anerkennung machen die Motivation und die Gesamtfitness kaputt. Das Projekt stirbt oder das Team steigt ab auf die "Regional-Liga".


Eine Konsequenz liegt auf der Hand: stabile und verlässliche Beziehungen, Vertrauen, gemeinsam Handeln, gegenseitige Unterstützung, Bindung und Engagement für das gemeinsame Ziel sind nicht selbstverständlich und keineswegs trivial. Führungskräfte, die in ihrem Team immer wieder den Zusammenhalt stärken, die gegenseitige Anerkennung forcieren, Auseinandersetzungen aufgreifen und beenden, für Fairness, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit sorgen und die Bindungen zwischen den Mitarbeitern stärken, sind ein Segen für jedes Unternehmen.


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